Wählen heißt Zukunft gestalten

Kirchengemeinderatswahl 2015


In einem gemeinsamen Interview haben die Sprecher des Diözesanrats und des Priesterrats Rottenburg-Stuttgart, Johannes Warmbrunn und Monsignore Herbert Schmucker, die Katholiken zur Teilnahme an der Kirchengemeinderatswahl am 15. März aufgerufen.



Am 15. März wählen die Katholiken in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ihre Kirchengemeinderäte, die Katholiken mit ausländischer Staatsbürgerschaft zusätzlich ihre Pastoralräte. Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn und Priesterratssprecher Herbert Schmucker erklären, warum es wichtig ist, zur Wahl zu gehen, und welche Bedeutung die Gremien haben.

Jede/r Katholik/in ab 16 Jahre sollte wählen gehen, weil …
Diözesanratssprecher Dr. Johannes Warmbrunn: … weil in einer Demokratie jede Wahl die Chance der Mitgestaltung und Mitbestimmung bietet. Eine hohe Wahlbeteiligung stärkt die gewählten Persönlichkeiten, von denen ich mir auch in Zukunft wichtige Impulse für die Erneuerung der katholischen Kirche erhoffe.
Priesterratssprecher
Monsignore Herbert Schmucker: Wählen heißt Zukunft gestalten. Am 15. März haben alle Katholiken und Katholikinnen ab 16 Jahre die Chance, die Kirche bzw. die Kirchengemeinde in ihrem Wohnort mitzugestalten. Sie bestimmen, wer sie in den nächsten fünf Jahren vertritt.

Nennen Sie bitte je drei Eigenschaften, die ein richtig gutes Gemeindevertretungsgremium auszeichnen.
Warmbrunn:
Gemeinsamer Bezug auf den mit unserem Glauben verbundenen Auftrag, Gründung auf die in Familie, Ehrenamt und Beruf erworbene Kompetenz, Mut zu Veränderungen.
Schmucker: Erarbeiten, was für eine christliche Gemeinde heute und in Zukunft wichtig ist. Mitverantwortung für das Wohl der Menschen in der jeweiligen Kommune. Gottes- und Menschenliebe als wichtigste Voraussetzung für das Engagement in der Kirche.

Monsignore Schmucker, brauchen die Pfarrer wirklich einen KGR/PaR?
Die Aufgaben in einer Kirchengemeinde sind so komplex, dass viele Blickwinkel und Kompetenzen erforderlich sind, um ihnen gerecht zu werden. Wir – nicht nur die Pfarrer, sondern das hauptberufliche Pastoralteam insgesamt – brauchen Gesprächspartner und Mitentscheider mit unterschiedlichen beruflichen Qualifikationen, unterschiedlicher familiärer Lebenssituation, vielfältiger Lebenserfahrung. Alteingesessene und Zugezogene, die andere Kirchengemeinden kennengelernt haben, Menschen, die hier aufgewachsen sind, und Menschen aus anderen Ländern, ältere und jüngere – mit einem solchen Team sitzt ein Querschnitt der Gemeinde am Beratungstisch. Wie sollten wir Pfarrer sonst den Blick für das Ganze bewahren und so den uns aufgetragenen „Dienst an der Einheit“ tun? Alles in allem: Ein Pfarrer gestaltet Gemeinde mit und trägt mit den Mitgliedern des Kirchengemeinderats und den anderen pastoralen Mitarbeitern die Verantwortung für die Gemeinde. Sie werden dankenswerterweise von vielen Mitgliedern der Gemeinde ehrenamtlichen unterstützt. Denn: Gemeinde, das sind „Wir“.

Herr Dr. Warmbrunn, Sie sind selbst seit langem Kirchengemeinderat – wie viel Macht hat dieses Gremium?
Wer im Kirchengemeinderat eine Machtstellung sucht, wird nichts wirklich Gutes erreichen. Nur wenn alle im Gremium respektvoll miteinander umgehen und dabei wirksam ihre vorhandenen Kompetenzen einbringen, ist eine konstruktive und gedeihliche Weiterentwicklung unserer Kirche möglich. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart hilft uns dabei, dass Haushaltshoheit, pastorale Beratungsfunktion und Vertretung des Kirchenvolks ausschließlich beim Kirchengemeinderat und nicht bei unterschiedlichen Gremien liegen. Für dringend erforderlich halte ich, überzeugende Wege zu suchen, den Menschen die Freude am Glauben neu zu vermitteln. Nach meiner Überzeugung bringen uns dabei nur gemeinsam mit dem verantwortlichen Pfarrer entworfene Strategien weiter. Grenzen sind dort gesetzt, wo zentrale Glaubensinhalte in Gefahr geraten; hier hat der Pfarrer entsprechend seiner theologischen Kompetenz und seiner Leitungsposition Widerspruchsrechte.

Wer genau darf wählen und wie funktioniert die Wahl?
Wählen darf jeder Katholik und jede Katholikin ab 16 Jahren, die mindestens drei Monate den gleichen Wohnsitz hatte. Die Pastoralräte für die muttersprachlichen Gemeinden dürfen nur die Katholiken mit der entsprechenden ausländischen Staatsangehörigkeit wählen. Die Wähler und Wählerinnen können ihre Stimme direkt im Wahllokal ihrer Kirchengemeinde abgeben oder per Briefwahl wählen.